Die OBB (Österreichische Bundesbahn) kann extrem rasch sein. Zumindest wenn es darum geht, die Unterlagen über die Bespitzelung der Mitarbeiter zu vernichten. Kaum wurde in den Medien darüber berichtet, schon begann die Löschaktion.
Löschen statt Aufklären, so agiert die Bundesbahn in Österreich, wenn an die Öffenltichkeit kommt, das die Mitarbeiter systematisch überwacht und bespitzelt wurden. Die Anweisung dazu, kam laut Medienberichten (www.derstandard.at) direkt vom Personalchef.
Die ÖBB-Dienstleistungsgesellschaft hat über ihre Mitarbeiter systematisch Krankenakten angelegt, in denen nicht nur die Krankenstandstage aufgelistet wurden, sondern auch die Diagnosen (was unzulässig ist). Ein besonders heikler Fall betrifft laut News einen mit HIV infizierten Mitarbeiter.
Vermutungen darüber, dass die ÖBB umfangreiche Aufzeichnungen über Krankenstände und Fehlzeiten ihrer gut 44.000 Mitarbeiter führt, gibt es schon lang. Beim Arbeits- und Sozialgericht waren schon zahlreiche Verfahren anhängig.
Eines von vielen, seit Monaten laufenden Verfahren: Ein für eine bestimmte Funktion fachlich qualifizierter Mitarbeiter wurde bei einer Versetzung/Vorrückung offensichtlich übergangen und von seinen Vorgesetzten und der Personalabteilung so lang "gelöchert, bis er zugab, HIV-positiv zu sein.
Ab 15 Krankenstandstagen ist eine Krankenstandsbegründung zwingend erforderlich." Angewendet werden Formulare, die eindeutig die Rubrik "Diagnose" enthalten.
Nun gelangten Teile der Krankenakten an die Öffentlichkeit - darunter die eingangs erwähnte Aidserkrankung eines Mitarbeiters.
Mit diesenSchickanen wollte man bei der ÖBB die Fehlzeiten der Mitarbeiter senken. Anleihe dürften sie bei der vor elf Jahren erschienenen Beraterstudie Goldene Regel zur Fehlzeitenreduzierung genommen haben. Darin sind "Rückkehrgespräche" mit 87 Prozent Erfolgswahrscheinlichkeit als die effizienteste Art der Krankenstandstagesenkung angeführt, gefolgt von "Transparenz zur Fehlzeitenanalyse" mit 85 Prozent.
Die ÖBGB versprach nach bekanntwerden der Vorgänge Aufklärung. Stattdessen jedoch wurden rasch alle Aufzeichnungen beseitigt.