"Der Reis ist heiss" und das nicht nur "der Reis der niemals klebt". Reis, das Grundnahrungsmittel für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung wird unbezahlbar. Reis nicht nur ein Grundnahrungsmittel für über drei Milliarden Menschen. Für die Masse der Armen bildet das Korn die tägliche Hauptspeise und oft die einzige Mahlzeit.
Die Preise für Reis haben sich in Indien vervierfacht. Aber nicht nur Indien - einer der größten Reisproduzenten der Welt - leidet unter Verknappung und hohen Preisen. Die ganze Region bangt um die Versorgungslage. Die neue thailändische Regierung in Bangkok forderte die Bauern des Landes auf, ihre Ernten zu horten, was zu weiteren Engpässen auf den Märkten führte. Ausfuhrbeschränkungen erließen auch Vietnam und China. In wichtigen Importländern wie Indonesien, Kambodscha und den Philippinen wird von Einlagerungen und Massenaufkäufen berichtet; die Eigenproduktion unterliegt teilweise ebenfalls der Ausfuhrbeschränkung. So kostbar ist Reis geworden, dass er sogar als Diebesgut interessant wurde.
Ursachen:
Jahrzehntelang waren Reis, Weizen und überhaupt die Grundnahrungsmittel billiger geworden. Doch seit 2002 hat sich der Trend umgekehrt: Grundnahrungsmittel werden teurer, besonders dramatisch in den vergangenen zwei Jahren. Pessimisten meinen, die Erträge aus der Landwirtschaft könne man kaum noch ausreichend steigern, Ackerflächen und Wasser würden knapp, der Klimawandel vernichte mehr Ernten denn je. Mit großer Verspätung werde nun die berühmte Prophezeiung des englischen Sozialforschers Thomas Malthus wahr, der 1798 vorausgesagt hatte: Die Produktion von Nahrungsmitteln könne unmöglich mit dem Wachstum der Menschheit Schritt halten.
Die künstliche Verknappung durch Exportbeschränkungen und Lagerungen ist nur eine Reaktion auf die strukturellen Entwicklungen, die der Reisproduktion zusetzen. Unwetter, die viele der Erderwärmung zuschreiben, haben die Ernteerträge in mehreren Regionen Asiens vermindert. Zudem mussten viele Reisfelder in den vergangenen Jahren neuen Anbauflächen weichen, unter anderem für Palmöl und andere Biotreibstoffe. Aber auch die anhaltende Verstädterung Asiens drängt den traditionellen Reisanbau zurück. Immer weniger Landwirschaftsfläche, soll immer mehr Menschen ernähren.
Philippinen:Auf Reisfeldern entstanden Fabriken, Wohnsiedlungen und Golfplätze
Der Agrarsektor auf den Philippinen ist lange Jahre vernachlässigt worden. Mit voller Absicht, es sollte ein Aufbruch in die Moderne sein. Auf Reisfeldern sind Fabriken, Wohnsiedlungen und Golfplätze entstanden. Der Staat subventionierte den Reisimport, was den Bauern daheim zusätzliche Konkurrenz bereitete, während ihre Kosten für Dünger und Pestizide stiegen. Hätte man dafür Sorge getragen, die maroden Bewässerungssysteme zu warten, könnten heute 1,69 Millionen Hektar Land zusätzlich zum Reisanbau genutzt werden. Doch viele Bauern sind ohnehin längst auf andere Nutzpflanzen umgestiegen. Auch Resurreccion, die heute auf der Hälfte ihres Besitzes Gras für die Landschaftsgärtnerei anpflanzt. Fertigrasen, wie er in den Vorgärten wohlhabender Menschen gebraucht wird. Freilich ist es die Art von Entwicklungen, die Verlierer, aber auch Gewinner hat. Eine Reisfarmerin aus der Provinz Provinz Laguna : »Für uns ist es natürlich gut, wenn die Preise steigen«, sagt die 76 Jahre alte Farmerin, »jedenfalls ein bisschen.« Das eigentliche Geschäft machen die Zwischenhändler, meist Monopolisten aus Tradition, mit besten Beziehungen zu den Behörden in der Region.
Bis die Ähren gedroschen, die Körner in Säcke verpackt und zum Markt transportiert sind, wird ihr Preis vermutlich ein weiteres Mal gestiegen sein. Vor zwei Monaten noch wurde Reis auf Manilas Märkten im Schnitt zu 24 Peso pro Kilo gehandelt. Inzwischen ist kaum noch eine Sorte unter 30 Peso zu haben. Umgerechnet sind das 46 Eurocent. Viel, wenn man ein Kellner oder ein Taxifahrer ist, der pro Tag nur rund 300 Peso zum Leben hat und drei Kilo Reis braucht, um eine Familie mit vier Mitgliedern zu ernähren.
Die Regierung Haitis mit einem Misstrauensvotum zum Rücktritt gezwungen, das als Reaktion auf tagelange Demonstrationen und Proteste gegen steigende Lebensmittelpreise und eine Hungersnot ausgesprochen wurde, von denen alle großen Städte des Landes erfasst wurden. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und den Besatzungstruppen der Vereinten Nationen kamen mindestens fünf Menschen ums Leben und viele wurden verwundet. Menschenmengen versuchten den Präsidentenplast zu stürmen.
Die Lebensmittelpreise in Haiti waren in weniger als einem Jahr im Durchschnitt um 40 Prozent gestiegen, wobei die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis sich verdoppelt hatten.
In Bangladesch gingen am ca. 20.000 Textilarbeiter auf die Straße, um die galoppierenden Lebensmittelpreise anzuprangern und höhere Löhne zu verlangen. Der Preis für Reis hat sich in diesem Land im letzten Jahr verdoppelt und setzt die Arbeiter, die monatlich nur 25 Dollar verdienen, der Gefahr einer Hungersnot aus. Viele wurden bei Zusammenstößen mit der Polizei verletzt, die das Feuer eröffnete, um die Menge zu zerstreuen.
Ähnliche Demonstrationen, Streiks und Zusammenstöße gab es in Bolivien, Peru, Mexiko, Indonesien, den Philippinen, Pakistan, Usbekistan, Thailand, dem Jemen, Äthiopien und im größten Teil Afrikas südlich der Sahara. Mit erschreckender Schnelligkeit wurden Hunderte von Millionen Menschen überall auf dem Planeten damit konfrontiert, dass sie den lebensnotwendigen Grundbedarf nicht mehr decken können. Der globale kapitalistische Markt diktiert Massen von Menschen auf allen Kontinenten unerträgliche Bedingungen und provoziert damit einen weltweiten Ausbruch des Klassenkampfs.