Egal wie man es bezeichnet, ob Landraub, Farm grab oder einfach Grundstücks Spekulation. Der Landaufkauf westlicher Geldzentren in Afrika bringt der armen oder einkommensschwachen Bevölkerung mehr Probleme als Vorteile.
Chinesen, Briten und Araber kaufen riesige fruchtbare Anbauflächen in Afrika auf. Die Weltbank unterstützt viele Investoren - und muss nun ein düsteres Bild der Folgen zeichnen, deren Ausmaße niemand kennt. Doch der offizielle Bericht darüber, wird absichtlich unter Verschluss gehalten. Zu gross könnte der Ärger über die Machenschaften der Landkäufer sein.
Die Gier nach Äckern und Weiden hat stark zugenommen. Weltweit bekannt wurde der Fall des südkoreanischen Staatskonzerns Daewoo, der die Hälfte des bebaubaren Landes auf Madagaskar günstig pachten wollte und damit einen Staatsstreich mit auslöste, der das Vorhaben vereitelte.
Meist aber liegen die Details der Deals im Dunkeln. Nur dass die Käufer Arbeitsplätze und Know-how-Transfer versprechen, wird gern berichtet. Geht es also um Neokolonialismus oder moderne Entwicklungshilfe, von der auch die Helfer profitieren? Diese Frage sollte die Weltbank klären.
Acht Monate verspätet wird das Ergebnis nun im August publik. Offiziell feilt man noch und überprüft Details. Inoffiziell melden beteiligte Forscher, dass ihre Arbeit längst fertig ist und politischer Druck die ungeschminkte Veröffentlichung verzögert. Nun hat einer von ihnen der Financial Times den Rohbericht zugespielt. Sein Motiv: Er ist erbost darüber, dass die Studie mitten in der Urlaubssaison bekannt wird, damit sie weniger Wellen schlägt.
| Finanzkräftige Investoren aus dem Ausland verleiben sich mit zweifelhaften Pachtverträgen in immer größerem Ausmaß fruchtbare Böden vornehmlich in den Entwicklungsländern Afrikas ein. So haben neben großen Industrieunternehmen inzwischen auch Fonds, Banken und nicht zuletzt auch Regierungen den lukrativen Geschäftszweig für sich entdeckt. Vorsichtige Schätzungen der vergangenen Jahre lassen die Tragweite der zwielichtigen Landverkäufe deutlich werden. Allein für 2006 wird vermutet, dass 20 Mio. Hektar an ausländische Käufer gingen. Die UN-Welternährungsorganisation FAO http://www.fao.org spricht bereits von Neokolonialismus. Quelle: http://www.fao.org |
Was den sogenannten Entwicklungsländern bleibt ist verstärkte Armut und Landflucht. Der Inhalt der Verträge unterliegt meist einer Verschiegenheitsklausel und wird nicht bekannt gegeben. So beinhalten diese Verträge oftmals sogenannte "Exportklauseln", die einen besonders einfachen und günstigen Abtransport der gewonnen Landwirtschaftlichen Produkte erlaubt. Einerseits werden aus den sogenannten Hungerländern haufenweise "Billig Lebensmittel" in die reicheren Regionen verschifft, andererseits wundern sich die Menschen in Europa, warum die Bewohner in diesen oft Fruchbaren Ländern nichts zustande bringen um sich selbst zu versorgen.
Das Thema bleibt brisant. Nicht nur, dass viele Verträge häufig eine Laufzeit von 50 Jahren mit einem einseitigen Kündigungsrecht aufweisen. Auch existiert zumeist die Option, den Kontrakt in beiderseitigem Einvernehmen auf 99 Jahre auszudehnen. "Diese Art der Landverpachtung bedeutet nicht nur ein ,Land Grabbing', sondern für viele Entwicklungsstaaten Afrikas auch ein ,Water Grabbing'", (besonders Interessant sind die Quellgebiete der Flüsse) unterstreicht Herre. Die Zahlen geben dem Fachmann Recht. Derzeit können 43 der 53 afrikanischen Länder die eigene Bevölkerung nicht ernähren. Und die Abhängigkeit dieser Länder von den Weltmarktpreisen nimmt zu. Hunger weitet sich aus.
| weitere Infos und Quellen: farmlandgrab.org | bbc.co.uk | diepresse.com (deutsch) |