
Die EU wird sich bald wieder mit Österreich beschäftigen müssen. Diesmal wird es ein heikles Thema, die „Polit-Geografische Verschiebung Österreichs“ steht bald im Programm.
Früher, ja da gab es in Österreich einen Verkehrsminister, der lies doch tatsächlich als ein Autobahnzubringer neu asphaltiert wurde, auch gleich seine eigene Garageneinfahrt mit teeren. Das war dann zu viel, damit sollte Schluss sein in Österreich, wir sind doch nicht am Balkan.
Es kam die Wende, und es wendete sich viel.
Die politischen Praktiken in Österreich ab 2000 zeigen immer mehr, Österreich liegt nicht mehr am Rande des Balkan, sonder wurde das Zentrum. Je Korrupter eine politische Partei, um so rasanter scheinen ihre Umfragewerte zu steigen, je korrupter eine Regierung, um so einfacher haben es deren Mitglieder später in der Privatwirtschaft. Ein ordentlicher Politskandal kann durchaus als Referenz für spätere Tätigkeiten als hochbezahlter Manager gelten.
Da wäre einmal die Partei der Saubermänner/Frauen, bei denen alles so sauber ist, so ehrlich, dass sie vor ihrem damaligen Eintritt in die Regierung sogar mit dem Wahlspruch „einfach ehrlich, einfach Jörg“ (der Name des damaligen Spitzenkandidaten) angetreten ist. Die Saubermänner und Frauen wurden dafür auch prompt mit Platz 2 bei der Nationalratswahl belohnt, was zwar das restliche Europa entsetzte, aber den Österreicher mit echten Stolz erfüllte. „Die übrige Welt kann uns mal wieder“, so wie damals, als wir zu Repräsentation Österreichs im Ausland, einen Bundespräsidenten ins Amt wählten, der in den USA aufgrund seinem eher tolpatschigen Umgang mit der Vergangenheit Einreiseverbot hatte und in der übrigen Welt auch nicht so gerne gesehen wurde.
Nun stürmten die Saubermänner und Frauen die Regierungsämter und Ministerien. Nein, was damals in den Medien gezeigt wurde waren keine Kabarett Sendungen, es waren echte und ernst gemeinte Pressekonferenzen von Leuten, die bis gestern noch gar nicht wussten, dass es dieses Ministerium den sie nun vorstehen, wirklich gibt.
Der grössere Regierungspartner, der eigentlich der kleinere Regierungspartner war, aber den Kanzler stellte um sich nicht auch noch vor der 3.Welt zu blamieren, schwieg einfach, Schweigen wurde überhaupt von ihm zur politischen Devise. So wurden ohne grosse Reden, die wertvollsten Regierungs und Staatseigentümer an persönlich Bekannte, Verwandte oder Vertraute günstig verscherbelt, der Verkaufserlös ins Budget geschummelt und der schöne vorzeigbare Finanzminister konnte ein sogenanntes NULL Defizit verkünden. OK, das Ausland lachte und dachte es würde in Österreich einige Leute geben, die Rechnen können, aber die wenigen die es können, rechneten eher damit, dass man die Wähler ja nicht für dumm verkaufen könne und wohl irgend jemand anderer den Wahnsinn beenden würde.
Der kleinere Regierungspartner, der eignetlich der grössere war, aber den Kanzler nicht stellen durfte, weil sonst die NATO in Östereich einmarschiert wäre, war inzwischen vollauf damit beschäftigt, wichtige Ministerposten zu verteilen. Irgendwie war das gar nicht so einfach, auch wenn man nicht unbedingt berufliche Qualifikationen erwartet, so wollten eben einfach zu viele an die Futtertröge. Da wurde geboxt, getreten, geschlagen. Der eine oder andere landete dann direkt vom Ministerium (in diesem Fall waren 6 Wochen Kampf im Justizministerium zu viel) in der Klappsmühle. Ja es war nicht einfach, kaum war der neue Dienstwagen bestellt (manche bevorzugen eben Jaguar statt Mercedes), schon kam von hinten ein treuer Parteikamerad und versuchte sich hinters Steuer zu drängen.
Aber irgendwann beruhigte sich die Lage etwas, die Posten waren vergeben, jetzt begann das abkassieren..... NEIN das Regieren. Und sparen war gross Modern. Sparen ja, aber bitte warum muss ein Tierarzt (dessen einzige Refernz ist, er kommt aus dem richtigen Bundesland) Sozialminister werden und auch gleich dazu noch Frauenminister. Ein Schelm wer dabei böses denkt.
So begann das grosse Sparen bei den Pensionen, Krankenkassen, Sozialhilfen und vor allem im Bildungsbereich. Den eingebildete scheint es ja genug zu geben. Wer brauch Bildung, wenn wir uns einbilden, mit dem gesunden Volksverstand über die Runden zu kommen.
Ein neuer Beruf erlebte eine wahre Blütezeit. Es war der Beruf des EXPERTEN oder des BERATERS. Für fette Honorare aus der Staatskassa, mutierte jeder Schulabbrecher mit den richtigen Bekanntenkreis zum hoch dotierten Experten „für eh irgendwas“, was einen Beratervertrag mit einer notfalls extra zu gründenden Regierungsstelle brachte. Es konnte nichts zu unlogisch, widersprüchig oder hirnrissig sein, dass es dem Wähler nicht als Errungenschaft von imenser Bedeutung verkauft wurde, weil der „EXPERTE“ das sagt.
Damals brauchte man keine weit weg lebenden Terroristen, man hatte sich ein hauseigenes Schreckensgespenst gezimmert. Wann immer die Fragen peinlich wurden, konnte man bequem auf die noch einem liegende „harte Arbeit im Kampf für ein sauberes Östereich“ verweisen. Mit sauber wurde aber nicht etwa Abwasserentsorgung oder CO2 Filter gemeint. Nein, das wäre zu kompliziert. Wie im Wahlk(r)ampf so auch in der Regierung, die Saubermänner und Frauen hauten immer fest auf die Schwächeren, auf die anderen, auf die da, eben auf jene Gruppe, zu der niemand dazu gehören will, auch wenn er dazu gehören würde, so wird ihm versichert, er würde nicht dazu gehören und er könne unbesorgt mit hauen.
War es einst noch ein Klassenkampf zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, so schaffte man es, daraus einen neuen Kampf zwischen Arbeiter und Angestellten zu machen. Dann die beiden zusammen gegen die Beamten, und alle zusammen dann gegen die ausländischen Arbeiter/Angestellten.... usw.
Damit waren rund 90 % der Bürger beschäftigt, jeder hatte sein persönliches Feindbild und niemand störte beim Regieren. Es war ja noch viel zu tun. Staatliche Institutionen die man nicht einfach so übernehmen konnte, mussten aufgelöst werden. (Sozialversicherungsverband), Kontrolle vereinfacht (Polizei und Gendarmerie zusammen).
Die Österreicher lernten bereits einige Zeit vorher, was alles schlecht sei. „Unworte“ wurden geschaffen, deren Bedeutung niemand kannte, die aber eben Unworte wurden, weil es schlecht ist.
Alles was dem Staat an Betrieben gehörte muss verschwerbelt werden, so lautete die Devise. Natürlich nur an einen Verwandten, Bekannten oder Treu Ergebenen.
NEIN, nicht alles, nur das was auch Gewinn bringen kann. So würde niemand daran Interesse haben, um 50 Cent einen Brief in Tirol auf einen Bergbauernhof zuzustellen, aber sehr wohl an der Telekommunikation und Paketbeförderung. Und wenn dann die Post kein Geld hat, schliesesn wir eben die Postämter, braucht ja keiner, wir sind ja modern und haben Email. Telekommunikation und Paketbeförderung erledigen ja inzwischen gewinnbringend Privatunternehmen.
In Österreich wissen inzwischen auch Arbeiter und Angestellte, dass der Staat ein schlechter Unternehmer ist und sind wirklich froh, jetzt für private Aktionäre um weniger Geld bei geringeren Sozialleistungen, womöglich über Drittfirmen angestellt, die gleiche Arbeit zu tun.
Weg müssten auch einige typisch Österreichische „Polit Unarten“. Da wäre der Proporz zum Beispiel. Der war schon einige Zeit als die Wurzel des Bösen deklariert worden, auch wenn 75% der Österreicher, ihren sicheren Lebensstandard genau diesem Proporzsystem in den letzten 60 Jahren verdankten.
Zitat Wikipedia: Mit Proporzdemokratie bezeichnet man Demokratien, in denen alle wichtigen politischen sowie sozialen Kräfte der Gesellschaft an der politischen Willensbildung beteiligt sind. Die Beteiligung dieser Kräfte kann dabei paritätisch oder gemäß ihrer relativen Stärke in der Gesellschaft stattfinden.
Die Sozialpartner wurden zu Unpersonen erklärt und den Arbeitnehmern konnte man sogar ihre eigenen Gewerkschaften madig machen.
Sie Subermänner/Frauen bekamen nun ihren Anteil an den Erträgen die harte Politik eben mit sich bringt. Es war ja keine einfache Arbeit, einen funktionierenden Sozialstaat der zu den fünf reichsten Ländern der Welt gehörte, in eine Balkaninsel zu verwandeln. Aber sie machten es wie sich ja nun noch 10 Jahre später zeigt recht gut. Und auch wenn Staatsanwälte und parlamentarische Untersuchungsausschüsse wie in allen Medien berichtet, alle Hände voll zu tun haben, um zumindest die ärgsten Korruptionsfälle aufzuarbeiten, so stört das keinen echten Österreicher. Wie Meinungsumfragen zeigen, könnte genau die gleiche Regierung schon bei den nächsten Wahlen wieder an die Tröge kommen.
Der Grund für dieses Artikel war ein Orf Beitrag