Freiheit ist doch was herrliches, besonders freie Märkte, freier Warenverkehr und die Freiheit der Finanzmärkte. Besonders die im Westen gelobte "Freie Marktwirtschaft" fordert jedoch immer mehr Opfer, vor allem dort, wo sie die Gewinner dieser Freiheiten nicht zu sehen bekommen. In Ländern, die wir als die 3. Welt bezeichnen.
Das oft mit Freiheit nur die Freiheit des Stärkeren gemeint ist, zeigt sich heute auch beonders an der Situation in vielen afrikanischen Staaten, die einst selbst für ihre fruchtbaren Böden und ertragreichen Lebensmittel Produktionen bekannt waren.
In vielen Ländern der 3. Welt gärt es nun.
Die üblichen Ausreden mit Missernten, schlechtem Wetter oder Schädlingsbefall ziehen jedoch nicht mehr. Zu offentsichtlich sind die Ursachen an den neuen Hungerproblemen in vielen Ländern.
Grundnahrungsmittel sind derzeit in Afrika so teuer wie nie zuvor. Die Preise für Weizen, Mais, Zucker oder Pflanzenöl haben sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt, sagt die Direktorin des Welternährungsprogramms, Josette Sheeran. "Der Hunger bekommt ein neues Gesicht. Selbst dort, wo die Ladenregale voll sind, hungern Menschen, weil sie sich die Waren nicht mehr leisten können."
| "Im letzten Monat habe ich einen Sack Reis für 13.000 gekauft, jetzt für 17.000 Francs. Das ist Wahnsinn!" Aicha Kaita ist Hausfrau in der senegalesischen Hauptstadt Dakar. Reis wird im Senegal hier zu fast allem gegessen, auch zu dem scharfen Nationalgericht, der "Thieboudienne". Die können sich viele Menschen hier nicht mehr leisten. Sie sind wütend, vor allem auf die Großhändler, die sie der Spekulation bezichtigen. Mustafa Dall, Reisimporteur im Senegal wehrt sich gegen diese Vorwürfe: "Das ist falsch. Wir leisten unseren Beitrag, indem wir schon unterhalb der Marktpreise verkaufen. Mehr können wir nicht tun!" |
Eine nun veröffentlichte Studie zeigt wieder, wie systematisch die Lebensmittelproduktion und Landwirtschaft vieler Länder geziehlt ruiniert oder in Abhängigkeit getrieben wurde.(William G. Moseleyvom Macalester College)
Im Zuge der sogenannten "Entwicklungshilfen", wurden vielen dieser Länder sogenannte "Strukturreformprogramme" aufgezwungen. Dieses harmlos klingende Wort, kann die Wirtschaft eines Landes ganz schön in Abhängigkeit treiben. In Gambia wurden durch so ein Programm staatliche Unterstützungen für den heimischen Reisanbau und Düngemittel gestrichen, die halbstaatliche Dachorganisation für den Handel mit Reis aufgelassen und schützende Zollbarrieren abgeschafft. Importe wurden dadurch billiger und verdoppelten sich innerhalb von zehn Jahren. Der wenige Reis, der heute noch im Land produziert wird, bleibt laut den Forschern in der Region, in der er wächst.
"Plötzlich mussten die Menschen mit den effizientesten landwirtschaftlichen Systemen der Welt in Konkurrenz treten", so der Koautor Laurence Becker von der University of Oregon. "Viele gaben die Landwirtschaft einfach auf." Die Arbeitslosigkeit stieg, die Produktion eigener Nahrungsmittel ging stark zurück.
Mit dem Reis in Afrika ist das überhaupt so eine Sache. Billiger Reis aus Südostasien, wo die Produktion in den 1970er Jahren stark industrialisiert wurde, sowie subventionierte Produkte aus Amerika und Europa hatten den Weltmarkt überschwemmt.Der Reis aus Asien und Amerika hat an vielen Orten heimische Getreidesorten wie Hirse oder Mais verdrängt. Der Bedarf in den letzten 40 Jahren stieg gewaltig, der Grund dafür waren der billige Preis und die einfache und schnelle Zubereitung, die vor allem für Stadtbewohner wichtig ist. Als aber nun 2008 der Reispreis im Zuge der sogenannten Finanzkrise expolodierte, war der Ersatz an heimischen Produkten nicht mehr verfügbar.
Kein Europäische Lokalpolitiker würde auch nur ansatzweise von den heimischen Landwirten das verlangen, was von afrikanischen Bauern abverlangt wird. Der Verzicht auf staatliche (EU) Stützungsgelder für heimische Landwirtschaftliche Produkte, würde die Wiener Ringstrasse mit Traktordemos für die nächsten Jahre überfüllen. In Europa wird munter drauf los produziert, egal ob die Lebenmittel jemand braucht oder nicht.
Milch wird weiter mit hohen Subventionen von den oftmals nur noch an Melkmaschinen lebensfähigen Rindern gesaugt und dann mit Zuschüssen der EU als Milchpulver nach Afrika verschifft. Das nennt sich Entwicklungshilfe, ruinierte aber in weiten Teilen Afrikas die eigene Milchproduktion, wer kauft schon teure heimische Milch, wenn es die billige aus Europa gibt. Die nun arbeitslosen afrikanischen Milchbauern landen dann entweder in den Städen im Heer der Arbeitslosen oder als Emigranten in Europa.